Immaterielles Kulturerbe - Papiertheater

8. Münchner Papiertheaterfestival „alles Papier“

„Gänsehautgeschichten"

17.- 20. Oktober 2024
 „Vorhang auf für großes Theater im Kleinstformat“

 

 Liebe Freunde des Papiertheaters,

Unter dem Motto >Gänsehautgeschichten< sind sechs Bühnen aus ganz Deutschland zu den unterschiedlichsten Inszenierungen einladen. 

Gänsehaut bedeutet ja nicht nur auf negatives, schaurig - gruseliges zu reagieren auch besonders anrührende Geschichten können uns Gänsehaut verursachen und so werden wir die unterschiedlichsten Formen von Spannung und Gefühlen bei den Geschichten auf den kleinen Bühnen erleben 

 

Die Eröffnungsveranstaltung führt uns nach einer Einführung in die Geschichte des Papiertheaters im „Kleinen Theater im Pförtnerhaus“ mit einem Spaziergang zu den Bühnen, die im Bürgerpark in verschiedenen Häusern auf die Zuschauer warten. Dort zeigen uns die Akteure kurze Auszüge ihrer Inszenierungen und geben uns so einen Einblick in die Verschiedenartigkeit des Mediums Papiertheater. 

Höhepunkt des Abends ist dann zum Abschluss eine Aufführung des Papiertheaters Papirnik  mit seiner neuen Operninszenierung Alessandro Stradella von Friedrich von Flotow.

Für den Workshop am Samstagnachmittag ist eine Anmeldung dringend erforderlich. Ein kleines Theaterchen zum Mit-nach-Hause-nehmen soll hier entstehen. Jeder kann beim Papiertheater Intendant*, Regisseur* Sprecher,* Spieler*, Gestalter*, Bühnenbildner*, Beleuchter* in einer Person werden. Unser Workshop gibt Tipps und Anregungen auch besonders für die Arbeit im pädagogischen Bereich. 

 

Seit einigen Jahren in der Bundesliste immateriellen Kulturerbes wird Papiertheater bei kaum einmal mehr als 20 Zuschauern, also in fast familiärem Rahmen, mit großem Theater auf kleinsten Bühnen, zum begeisternden Erlebnis. 

Das bedeutet aber auch, dass die Plätze begrenzt sind. Bitte bestellen Sie Ihre Karten daher rechtzeitig unter [email protected] 

Aktuelles erfahren Sie immer unter > papiertheaterfestivalmuenchen.jimdosite.com<

 

Freuen Sie sich mit uns auf ein spannendes Festival und noch ein Tipp: 
Wie im großen Theater sieht man mit einem Opernglas alles besser.

 

Bühnenporträts

 

PAPIERTHEATER AM RING / SABINE & ARMIN RUF - WILHERMSDORF 


Angefangen hatte alles vor über 12 Jahren, als klassisches Familien-Papiertheater. Sabine und Armin spielten jahrelang gemeinsam mit ihren heute erwachsenen Kindern, jetzt sind sie fast nur noch zu zweit hinter der Bühne.
Bei den meisten Inszenieren wird live gesprochen, einige Aufführungen sind teilweise oder ganz vertont. Ihr Repertoire reicht von Sagen und Märchen bis hin zu Opern, gerne auch Geschichten aus ihrem Heimatbereich . So zeigten sie 2020 in München „Wagnis Eisenbahn“ und erzählten die abenteuerliche Geschichte der ersten Bahnfahrt in Deutschland 1835.
2023 stellten Sie uns ihre Interpretation von Bizets "Carmen" vor, modern und zeitgemäß erzählt.
Ihre Inszenierungen mit handkolorierten Figurinen und Kulissen aus der Zeit vor ca.100 Jahren, aber auch eigenen Entwürfen, nehmen sich gerne den Märchen der Gebrüder Grimm an und interpretieren sie auf ihre Weise fürs Papiertheater.
In diesem Jahr präsentieren sie uns "Tischlein deck dich" für die Kleinsten unserer Zuschauer und für die Großen ihre Interpretation des Rattenfänger von Hameln -"Rattenfänger reloaded"


PAPIERTHEATER PAPIRNIK – ESSEN 


Hans-Günter Papirnik wurde schon früh von der Leidenschaft zum Figurentheater gepackt. Bereits 1976  gründete er ein eigenes Marionettentheater, das er bis 1990 mit Freunden betrieb.
 Die Idee zu seiner außergewöhnlichen Papiertheaterbühne verwirklichte er im Sommer 2012, er baute einen reisefreundlichen Bühnenwagen der komplett bestückt mit einer ganzen Inszenierung in seinem Kombi Platz hat.
 Seitdem entsteht jedes Jahr eine neue Inszenierung mit der er im Lande herumreist. Seine Liebe gilt Opern oder Operetten, der Musik und Sprache gleichen Raum zu geben ist ein wichtiges Merkmal der Inszenierungen, dabei zieht er alle Register der Bühnentechnik und belebt so die ja wenig bewegliche Szenerie. Papirnik gastierte mit seiner ungewöhnlichen Bühne bereits bei vielen Festivals in In- und Ausland.         
Schon zum siebten Mal in München dabei, zeigt uns Papirnik, wie immer für junge Opernfreunde und Erwachsene, in seiner unnachahmlichen -Art eine „Kriminal-Oper" Alessandro Stradella von Friedrich von Flotow. 


THEATER andersARTig / DIETER LOHMANN & MANFRED KRONENBERG  -  WARENDORF 

Dieter Lohmann ein „Alltagspoet“ wie er sich selbst nennt, findet im alltäglichen Leben, in seiner Umwelt, die Themen die er mit Humor und Witz in Gedichtform bringt. Beim Schmökern in seinen Büchern hat man oft das Gefühl Szenen aus dem eigenen Leben zu erkennen, die einem aus dieser Perspektive zum Schmunzeln, gar zum hellen Lachen bringen. 

Manfred Kronenberg ist Diplom-Designer, Illustrator, Künstler und langjähriger Lehrbeauftragter der FH Münster, auch ist er wieder der Gestalter des diesjährigen Erscheinungsbildes unseres Festivals.
Er betreibt eine eigenen Galerie in seiner Heimatstadt Warendorf >www.kronenbergkunst.de< und beschickt Ausstellungen im In- und Ausland mit seinen Arbeiten. Malerei, Skulpturen und Objektkunst zeigen die Geschichten, die die Realität und seine Phantasie zu seinem eigenen, unverkennbaren Stil verweben. 

Dieter Lohmann setzt Gedanken und Ideen in Wörter und Satzbilder um, Ereignisse werden aus neuem Blickwinkel gesehen und voller Witz mit den kunstvollen oft auch karikierenden Bildern Manfred Kronenbergs zu einem Theaterstück verwoben. 
So fanden Manfred Kronenberg und Dieter Lohmann sich zusammen in einer Theaterform, die ihre jeweils außerordentlichen Talente zusammenbringt, einem Papiertheater der besonderen Art, daher "Theater andersARTig".

 Für das 8.Münchner Papiertheaterfestival haben sie zwei Shakespeare Klassiker kunstvoll zu einem Sommernachtssturm verwoben. Als Kinderstück präsentieren sie uns „märchenhaft, spaßig und wunderlich“ „Geschichtenkisten“ 

PAPIERTHEATER HERINGSDORF / ROBERT & ANDREA JÄHRIG  -  HERINGSDORF 


2007 begann Robert Jährig seine Liebe zum Papiertheater zu realisieren, doch zeigte er seine Inszenierungen erst seit 2009 auch vor Publikum. Papiertheater Heringsdorf nannte er sein kleines Theaterchen nach dem Ort des Geschehens. Dort entstand zeitweise auch eine feste Spielstätte, wo Aufführungen allerdings nur vor geladenem Publikum stattfanden. 
 Von Märchen bis zu Opern bietet das Papiertheater Heringsdorf ein breitgefächertes Repertoire an. Originale und Nachdrucke historischer Figuren- und Kulissenbögen bilden die Ausstattung seiner Stücke. Neben selbst aufgenommenen Tonaufnahmen, kommen  passende historische Aufnahmen zur Anwendung. Auch von ihm selbst komponierte oder gespielte Musikstücke sind eingebaut. 

Seit zwei Jahren nun spielt er nun zusammen mit seiner Frau die extrem aufwendigen Inszenierungen. Wie für Papiertheater heute meist üblich, reist sein Theater zu den Zuschauern. Seine Reisebühne ermöglicht Gastspiele, auch auf den verschiedenen Papiertheaterfestivals. 

Für Erwachsene bringt er uns dieses Jahr eine Papiertheaterinterpretation von Agatha Christies „Mausefalle“ mit und auf vielfachen Wunsch entführen Robert & Andrea Jährig nochmals mit der Inszenierung von Christian Andersens Märchen der „Nachtigall“ Kinder ab 6 Jahren in wunderschönen Bildern nach China. 

 

PAPIERTHEATER HELLRIEGELS JUNIOR  KIEL 

Sie sind erstmals auf dem Münchner Papiertheaterfestival dabei: 

Ein wahres Familienunternehmen ist das Papiertheater Hellriegels Junior aus Kiel. Drei Generationen spielen live auf selbstgebauter Bühne mit selbstentworfenen und -gezeichneten Figuren und setzen damit die Familientradition fort.
Schon ein Vorfahre der Familie, der Drucker Carl Hellriegel aus Berlin, hatte Ausschneide-bögen für Papiertheater gedruckt. 
Die heutige Bühne entstand aus der Nachfolge zur Bühne "Carl Hellriegels Nachfahren"- Heinz Holland, der deutsche Balladen spielte. 
Nach seinem Tode begann seine Witwe mit ihrem jüngsten Enkel Willem, damals acht Jahre alt, Märchen aufzuführen. Willem ist seither dabei geblieben, hat die Bühne und die Regie mit fünfzehn Jahren übernommen und erst seine Mutter, als Grafikerin dazu geholt, sowie später seine Schwester Jule als Geräusche-, Sprech- und Musikfrau. Als Erzählerin dabei ist immer noch Großmutter Gerlinde Holland. 

 Das Grimm‘sche Märchen „Von einem der auszog das Gruseln zu lernen“ ist ihr Beitrag zum Kinderprogramm, für ältere Kinder und Erwachsene bringen sie die Geschichte der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne mit. 

 

PAPIERTHEATER MUTABOR - MÜNCHEN


 Mit 8 Jahren wurde dem kleinen Emanuel Boeck von seinem 9 Jahre älteren Bruder verboten mit dessen prächtig ausgestatteten Schreiber Papiertheater zu spielen. Als Folge baute Emanuel sein eigenes Papiertheater und entwarf und malte alle Dekorationen und Figurinen selbst, nebst technischen Experimenten und ersten Versuchen mit Multimedia (Projektionen). Die Premiere war die Oper Rienzi von Richard Wagner. ( Vom Amerika Haus konnte man eine Grammophon Platte ausleihen). In den nächsten Jahren folgten Der Froschkönig, der Sturm nach Shakespeare, Wilhelm Tell und die Frösche von Aristophanes. Den Abschluss bildete Der fliegende Holländer mit einer Gesamtgestaltung im Stile des Künstlers HAP Grieshaber, der früher im Hause Boeck das Bergwerk zu Falun von Hofmannnsthal aufgeführt hatte. Der Beruf des Fernseh und Theaterregisseurs erlaubte es Emanuel nicht mehr sich dem Kleinod seiner Jugend zu widmen. Nach 50 Jahren in 5 Ländern ist etwas mehr Ruhe eingetreten und Emanuel ist von neuem begeistert von den Möglichkeiten seines Bonsai Theaters Mutabor, wo das ganz Kleine ins Unermessliche wachsen kann. 


Eine kurze generelle Info zum Papiertheater

 

Papiertheater ist wohl die kleinste Theaterform und entstand zu Zeiten des Biedermeier als das Bildungsbürgertum das Theater nach Hause brachte. Vorläufer waren hauptsächlich die Papierkrippen, die als Platz sparende häusliche Andachtsszenerie schon lange vorher zu finden waren. Als Verwandte können wir die, heute wieder beliebten, "Pop Up-Karten und -Bücher" sehen, sowie die Augsburger Klebebögen die als Spielzeug erzieherische Funktionen erfüllten. Einst wurden für die Kinder Märchen "auf die Bühne gebracht" Mit zunehmender Zeit entwickelte sich diese Theaterform aber zum "Spielzeug" für Erwachsene (im engl. noch heute Toy Theatre) auf oft aufwendige Operninszenierungen war lange Zeit hauptsächlich das Augenmerk gerichtet und berühmte Bühnenbildner der vorigen Jahrhunderte entwarfen für die kleinste Bühnenform die Bühnenausstattung. Das Erstellen und bespielen der kleinen Theater war im Zeitalter ohne Kino, Fernsehen und anderer Kommunikationsmöglichkeiten eine beliebte Abendunterhaltung.

Heute reist eine ständig wachsende Fan-Gemeinde zu den Festivals in In- und Ausland. Hauptsächlich in Dänemark sind  Papiertheateraufführungen ein fester Bestandteil des "Theaterlebens".
Papiertheater ist nun auch wieder bei uns ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, mehrere Festivals, hauptsächlich im Norden Deutschlands zeugen davon. Vor einiger Zeit fand eine Ausstellung im Wiener Theatermuseum im Palais Lobkowitz großes Interesse, Motto „Papiertheater- eine bürgerliche Liebhaberei“ begleitet von mehreren Aufführungen. Unser Festival in München möchte für dieses sehr spezielle Medium auch in Bayern Freunde gewinnen. 
Hanau eröffnet im historischen Teil des Museums in Schloss Philippsruhe nach jahrelangem hoffnungsvollen Warten wieder neu ein festes Museum für die kleinste Theaterform in dem u.a. die Sammlung des 2023 verstorbenen Sammlers und Kenners  Rüdiger Koch aus Berlin einen würdigen Platz findet.
Nicht zuletzt wurde das Papiertheater 2021 als Immaterielles Kulturgut in die entsprechende Bundesliste aufgenommen und damit entsprechend gewürdigt. 
Da die Zuschauerzahl je nach Bühne schon im Normalfall sehr begrenzt ist (normalerweise 20 -25 Plätze je nach Bühnengröße) macht es diese doch aufwendigen Veranstaltungen zu einem hierzulande raren Event. 

 

Ein besonderer Dank geht an Manfred Kronenberg 
der Programm und Plakat auch für das 7.Münchner Papiertheaterfestival gestaltet hat.