Immaterielles Kulturerbe - Papiertheater

10. Münchner Papiertheaterfestival „alles Papier“

Ende gut alles gut

22. -25. Oktober 2026
 „Vorhang auf für großes Theater im Kleinstformat“

 

 Liebe Freunde des Papiertheaters,
 

unter dem Motto >Ende gut - Alles gut< sind sechs Bühnen aus ganz Deutschland zu den unterschiedlichsten Inszenierungen einladen. 

In diesen unruhigen Zeiten ist die Sehnsucht groß ein wenig „Seelenbalsam“ zu erleben, Geschichten die ein bisschen Hoffnung in sich tragen.  Die unterschiedlichsten Formen des Papiertheaters werden auf den kleinen Bühnen präsentiert, ob Märchen, Operette, Literatur, Musical, die Vielfalt der Inszenierungen zeigen die Möglichkeiten des Papiertheaters. 

Zum 10 jährigen Jubiläum begleitet eine Ausstellung mit >Kunst aus Papier – Papierkunst< das Festival, auch hier heißt es „alles papier“. Zwei Künstlerinnen, die sich schwerpunktmäßig mit Arbeiten aus Papier beschäftigen, zeigen ihre Werke. Im Workshop am Samstagnachmittag wird u.a. die Verbindung von Theater und bildender Kunst im Kleinen angeregt. 

 

Die Eröffnungsveranstaltung führt uns nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Papiertheaters und einem Einblick in eine Inszenierung des Heringsdorfer Papiertheaters im „Kleinen Theater im Pförtnerhaus“ mit einem Spaziergang zu den Bühnen, die im Bürgerpark in verschiedenen Häusern auf die Zuschauer warten. Dort zeigen uns die Akteure kurze Auszüge ihrer Inszenierungen und geben uns so einen Blick auf die Verschiedenartigkeit des Mediums Papiertheater. 

Wir begegnen der Papierkunst, als Höhepunkt des Abends erwartet uns dann eine komplette Vorstellung in der Galerie

 

Für den Workshop am Samstagnachmittag ist eine Anmeldung dringend erforderlich. Verschiedene Arten des Papiertheaters können ausprobiert werden. Ein kleines Theaterchen zum Mit-nach-Hause-nehmen kann hier entstehen. Jeder kann beim Papiertheater Intendant*, Regisseur* Sprecher,* Spieler*, Gestalter*, Bühnenbildner*, Beleuchter* in einer Person werden. Unser Workshop gibt dazu Tipps und Anregungen auch besonders für die Arbeit im pädagogischen Bereich. 

 

Seit einigen Jahren in der Bundesliste immateriellen Kulturerbes wird Papiertheater bei kaum einmal mehr als 20 Zuschauern, also in fast familiärem Rahmen, mit großem Theater auf kleinsten Bühnen, zum begeisternden Erlebnis. 

Das bedeutet aber auch, dass die Plätze begrenzt sind. Bitte bestellen Sie Ihre Karten daher rechtzeitig unter [email protected] 

Aktuelles erfahren Sie immer unter > papiertheaterfestivalmuenchen.jimdosite.com<

 

Freuen Sie sich mit uns auf ein spannendes Festival und noch ein Tipp: 
Wie im großen Theater sieht man mit einem Opernglas alles besser.

 

Bühnenporträts

PAPIERTHEATER PAPIRNIK – ESSEN 


Hans-Günter Papirnik wurde schon früh von der Leidenschaft zum Figurentheater gepackt. Bereits 1976  gründete er ein eigenes Marionettentheater, das er bis 1990 mit Freunden betrieb. 
 Die Idee zu seiner außergewöhnlichen Papiertheaterbühne verwirklichte er im Sommer 2012, er baute einen reisefreundlichen Bühnenwagen der komplett bestückt mit einer ganzen Inszenierung in seinem Kombi Platz hat. 
Seitdem entsteht jedes Jahr eine neue Inszenierung mit der er im Lande herumreist. Seine Liebe gilt Opern oder Operetten, der Musik und Sprache gleichen Raum zu geben ist ein wichtiges Merkmal der Inszenierungen, dabei zieht er alle Register der Bühnentechnik und belebt so die ja wenig bewegliche Szenerie. Papirnik gastierte mit seiner ungewöhnlichen Bühne bereits bei vielen Festivals in In- und Ausland.         
Schon zum wiederholten Mal in München dabei, zeigt uns Papirnik, wie immer für Jung und Alt 
 in seiner unnachahmlichen -Art diesmal eine bekannte Geschichte, allerdings in einer echt eigenwilligen Interpretation:  

"Mei fär Läidi",
         eine Ruhrgebietskomödie frei nach "Pygmalion" von G. B. Shaw. 

 


THEATER andersARTig / 
DIETER LOHMANN & MANFRED KRONENBERG & ARMIN DÜPMEIER  

 -  WARENDORF 

Dieter Lohmann ein „Alltagspoet“ wie er sich selbst nennt, findet im alltäglichen Leben, in seiner Umwelt, die Themen die er mit Humor und Witz in Gedichtform bringt. Beim Schmökern in seinen Büchern hat man oft das Gefühl Szenen aus dem eigenen Leben zu erkennen, die einem aus dieser Perspektive zum Schmunzeln, gar zum hellen Lachen bringen. 

Manfred Kronenberg ist Diplom-Designer, Illustrator, Künstler und langjähriger Lehrbeauftragter der FH Münster, auch ist er wieder der Gestalter des diesjährigen Erscheinungsbildes unseres Festivals.
Er betreibt eine eigenen Galerie in seiner Heimatstadt Warendorf >www.kronenbergkunst.de< und beschickt Ausstellungen im In- und Ausland mit seinen Arbeiten. Malerei, Skulpturen und Objektkunst zeigen die Geschichten, die die Realität und seine Phantasie zu seinem eigenen, unverkennbaren Stil verweben. 

Dieter Lohmann setzt Gedanken und Ideen in Wörter und Satzbilder um, Ereignisse werden aus neuem Blickwinkel gesehen und voller Witz mit den kunstvollen oft auch karikierenden Bildern Manfred Kronenbergs zu einem Theaterstück vereint. 
Armin Düpmeier ist Musiker und Komponist mit einem besonderen Schwerpunkt auf akustische Saiteninstrumente. Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Musikpädagoge kuratiert er seit vielen Jahren das Musikprogramm des Theaters am Wall in Warendorf mit besonderem Fokus auf den Jazz. Bei den Stücken des Theater anderARTig ergänzt er Wort und Bild mit live gespielten, eigens entwickelten Klangkompositionen, die das visuelle Geschehen klanglich vertiefen und atmosphärisch erweitern. 

So fanden Manfred Kronenberg, Dieter Lohmann und Armin Düpmeier sich zusammen in einer Theaterform, die ihre jeweils außerordentlichen Talente zusammenbringt, einem Papiertheater der besonderen Art, daher "Theater andersARTig".

Für das 10..Münchner Papiertheaterfestival haben sie sich das Märchen von H.C. Andersen  "Die Nachtigall" vorgenommen.
Für Kinder wird das Märchen nah an der eigentlichen Erzählung gestaltet, für Erwachsene verknüpfen sie aktuelles mit Handlung und Gedanken der ursprünglichen Geschichte.


PAPIERTHEATER HERINGSDORF / ROBERT & ANDREA JÄHRIG  -  HERINGSDORF 


2007 begann Robert Jährig seine Liebe zum Papiertheater zu realisieren, doch zeigte er seine Inszenierungen erst seit 2009 auch vor Publikum. Papiertheater Heringsdorf nannte er sein kleines Theaterchen nach dem Ort des Geschehens. Dort entstand zeitweise auch eine feste Spielstätte, wo Aufführungen allerdings nur vor geladenem Publikum stattfanden. 
 Von Märchen bis zu Opern bietet das Papiertheater Heringsdorf ein breitgefächertes Repertoire an. Originale und Nachdrucke historischer Figuren- und Kulissenbögen bilden die Ausstattung seiner Stücke. Neben selbst aufgenommenen Tonaufnahmen, kommen  passende historische Aufnahmen zur Anwendung. Auch von ihm selbst komponierte oder gespielte Musikstücke sind eingebaut. 

Seit zwei Jahren spielt er nun zusammen mit seiner Frau die extrem aufwendigen Inszenierungen. Wie für Papiertheater heute meist üblich, reist sein Theater zu den Zuschauern. Seine Reisebühne ermöglicht Gastspiele, auch auf den verschiedenen Papiertheaterfestivals. 

Für Erwachsene bringen sie uns dieses Jahr eine Papiertheaterinterpretation von Jacques Offenbachs Operette "Die Banditen" mit und  Kinder erwartet mit "Des Kaisers neue Kleider" eine bekannte Geschichte Hans Christian Andersens.

 

PAPIERTHEATER HELLRIEGELS JUNIOR  -  KIEL 


Sie sind nun zum dritten Mal auf dem Münchner Papiertheaterfestival dabei:
Ein wahres Familienunternehmen ist das Papiertheater Hellriegels Junior aus Kiel. Drei Generationen spielen live auf selbstgebauter Bühne mit selbstentworfenen und -gezeichneten Figuren und setzen damit die Familientradition fort. Schon ein Vorfahre der Familie, der Drucker Carl Hellriegel aus Berlin, hatte Ausschneide-bögen für Papiertheater gedruckt.
Die heutige Bühne entstand aus der Nachfolge zur Bühne "Carl Hellriegels Nachfahren"- Heinz Holland, der deutsche Balladen spielte. Nach seinem Tode begann seine Witwe mit ihrem jüngsten Enkel Willem, damals acht Jahre alt, Märchen aufzuführen. Willem ist seither dabei geblieben, hat die Bühne und die Regie mit fünfzehn Jahren übernommen und erst seine Mutter, als Grafikerin dazu geholt, sowie später seine Schwester Jule als Geräusche-, Sprech- und Musikfrau. Als Erzählerin dabei ist oft auch noch Großmutter Gerlinde Holland.
In diesem Jahr kommen sie mit ihrer Kofferbühne auf der sie uns zwei Inszenierungen präsentieren. Wie immer mit viel Schwung und Musik, live gesprochen und gesungen, präsentieren sie für Kinder aus dem Märchenschatz der Gebrüder Grimm "Von einem der auszog das Gruseln zu lernen", für Erwachsene haben sie sich den "Rattenfänger" von Hannes Wader, einen Song aus den 70er Jahren, basierend auf der Sage des Rattenfängers aus Hameln und immer noch aktuell ausgewählt.

 SENNEWALDS KOFFERTHEATER  / MARLIS UND RAINER SENNEWALD -  HALLE 


Als Marlis  Sennewald, langjährige Leiterin des Preetzer Papiertheatertreffens, und ihr Mann Rainer, der das Festival als Fotograf und Grafiker begleitet hatte, in den Ruhestand gingen und aus Norddeutschland nach Halle an der Saale zogen, verwirklichten sie ihren lang gehegten Traum: Sie begannen selbst, Papiertheater zu spielen. Im Jahr 2021 war es so weit, sie gründeten mit "Papier & Theater ihre erste Papiertheaterbühne: Mit dem Drama »Pangu Narathi – Im Sog der Berge« traten sie zum ersten Mal in Preetz auf und sind seitdem regelmäßig mit diesem und anderen Stücken unterwegs. In München stellten sie uns bei ihrem ersten Besuch diese Bergsteigertragödie und ihr Kinderstück Peter allein zuhaus'...,.danach  auch die Fortsetzung der Berggeschichte mit "Marie am Meer" vor.
Nun kommen Marlis und Rainer Sennewald wieder nach München, diesmal  bringen sie uns, wieder live gesprochen ein Musical mit ,
 "Mir gehts so gut" eine Geschichte mit Menschen und Tieren, einer Sinneskrise der die Musik einen Weg zeigt sein Lebensglück zu finden.


PAPIERTHEATER AM RING /SABINE & ARMIN RUF   - WILHERMSDORF 


Sabine und Armin Ruf lieben die alten Kupferdrucke die über mehr als 100 Jahre das Papiertheater so typisch machten. Heute gibt es für Sammler und Spieler Nachdrucke sowohl von Figuren als auch Kulissen. Vielfach sind auch noch Texte vorhanden anhand derer sich Stücke die Geschichten noch in der Urform spielen ließen. Rufs aber schreiben sich ihre Geschiche selbst und suchen dafür die passenden Bühnenbilder und Figuren aus dem großen Angebot um ihre Inszenierung zu gestalten, dabei greifen sie auf Märchen zurück, lassen sich aber auch von Bilderbüchern, Literatur oder Zeitgeschehen animieren. So finden sich sowohl die alten romantischen  Nachdrucke, als auch moderne Bilder die die Inszenierungen bebildern.
In diesem Jahr bringen haben sie aber Figuren und Kulissen für ihre beiden Inszenierungen selbstgestaltet.
Für Kinder haben sie das bekannte Märchen "Der Wolf und die sieben Geißlein" ein wenig der Zeit angepasst und erzählen es in liebevollen Bildern für Kinder ab 5 Jahren.
Für Erwachsene haben sie sich ein Stück Weltliteratur, Miguel de Cervantes Roman "Don Quijote" ausgesucht und inszenieren den "Ritter der traurigen Gestalt" auf ihre eigene Weise, humorvoll und philosophisch zugleich.. 

Eine kurze generelle Info zum Papiertheater

 

Papiertheater ist wohl die kleinste Theaterform und entstand zu Zeiten des Biedermeier als das Bildungsbürgertum das Theater nach Hause brachte. Vorläufer waren hauptsächlich die Papierkrippen, die als Platz sparende häusliche Andachtsszenerie schon lange vorher zu finden waren. Als Verwandte können wir die, heute wieder beliebten, "Pop Up-Karten und -Bücher" sehen, sowie die Augsburger Klebebögen die als Spielzeug erzieherische Funktionen erfüllten. Einst wurden für die Kinder Märchen "auf die Bühne gebracht" Mit zunehmender Zeit entwickelte sich diese Theaterform aber zum "Spielzeug" für Erwachsene (im engl. noch heute Toy Theatre), auf oft aufwendige Operninszenierungen war lange Zeit hauptsächlich das Augenmerk gerichtet und berühmte Bühnenbildner der vorigen Jahrhunderte entwarfen für die kleinste Bühnenform die Bühnenausstattung. Das Erstellen und bespielen der kleinen Theater war im Zeitalter ohne Kino, Fernsehen und anderer Kommunikationsmöglichkeiten eine beliebte Abendunterhaltung.

Heute reist eine ständig wachsende Fan-Gemeinde zu den Festivals in In- und Ausland. Hauptsächlich in Dänemark sind  Papiertheateraufführungen ein fester Bestandteil des "Theaterlebens" aber auch besonders im Norden Deutschlands stellen verschiedene Festival dieses Medium in den Mittelpunkt. Papiertheater ist so auch wieder bei uns ins Licht der Öffentlichkeit gerückt,
Vor einigen Jahren fand eine Ausstellung im Wiener Theatermuseum im Palais Lobkowitz großes Interesse, Motto „Papiertheater- eine bürgerliche Liebhaberei“ begleitet von mehreren Aufführungen. Unser Festival in München möchte nun für dieses sehr spezielle Medium auch in Bayern Freunde gewinnen. 
Hanau eröffnete vor kurzem im historischen Teil des Museums in Schloss Philippsruhe nach jahrelangem hoffnungsvollen Warten neu gestaltet, wieder das Museum für die kleinste Theaterform, in dem u.a. die Sammlung des 2023 verstorbenen Sammlers und Kenners  Rüdiger Koch aus Berlin einen würdigen Platz fand.
Nicht zuletzt wurde das Papiertheater 2021 als Immaterielles Kulturgut in die entsprechende Bundesliste aufgenommen und damit entsprechend gewürdigt. 
Da die Zuschauerzahl je nach Bühne schon im Normalfall sehr begrenzt ist (normalerweise 20 -25 Plätze je nach Bühnengröße) macht es diese doch aufwendigen Veranstaltungen zu einem hierzulande raren Event. 

 

Ein besonderer Dank geht an Manfred Kronenberg 
der Programm und Plakat auch für das 10.Münchner Papiertheaterfestival gestaltet.