Immaterielles Kulturerbe - Papiertheater

6. Münchner Papiertheaterfestival „alles Papier“
Große Dramen auf kleiner Bühne
20.- 23. Oktober 2022
 „Vorhang auf für großes Theater im Kleinstformat“

 

 „Große Dramen auf kleiner Bühne“ heißt das Motto des diesjährigen Münchner Papiertheaterfestivals „alles Papier“ das nun bereits zum sechsten Mal im Bürgerpark Oberföhring stattfindet.

Dabei stehen nicht die klassischen Dramen der berühmten Dichter im Mittelpunkt, sondern die persönlichen Dramen die Menschen aus der Bahn werfen, ins Unglück stürzen oder ihnen einen Ausweg mit der Wendung zum Guten aufzeigen.

Auch in den bekannten Märchen geht es um dramatische Schicksalswendungen die die Protagonisten überwinden müssen und ihr Leben nachhaltig prägen.

Die unterschiedlichsten Inszenierungen zeigen in 11 Stücken, darunter einige Uraufführungen und Premieren, an vier Tagen dramatische Geschichten für Kinder und Erwachsene.

Einige ausgestellte Sammler-Objekte und, begleitet von einem kleinen Vortrag zur Geschichte des Papiertheaters sowie einer Inszenierung Schillers Ballade „Der Handschuh“ im Rahmen dreier unterschiedlichen Vorstellungen geben uns einen Einblick in die Welt des Papiertheaters.

 

Die Eröffnungsveranstaltung führt uns mit einem Spaziergang zu den Bühnen die im Bürgerpark in verschiedenen Häusern untergebracht sind. Sie bringen uns in kurzen Auszügen aus ihren Geschichten die Verschiedenartigkeit des Mediums Papiertheater nahe, ein Einblick in die Geschichte und schließlich das Programm des Warendorfer Theaters „andersARTig“  „Die Wahrheit“ runden den Abend ab.

 

Der Workshop lässt jeden der will zu Intendant*, Regisseur*, Bühnenbildner*, Beleuchter*, Sprecher*Gestalter in einer Person werden. Ziel ist es Anregungen zu sammeln, um selbst eine Geschichte im Papiertheater umzusetzen. Gerade für die Arbeit im pädagogischen Bereich finden sich viele Möglichkeiten für den Einsatz in Schule und Freizeit.


Sollten für den Herbst erneut Corona bedingte Einschränkungen und Bestimmungen vorliegen, werden wir alles dafür tun, dass es trotz allem ab 20. Oktober unter Berücksichtigung  aller Sicherheitsmaßnahmen wieder heißen kann „Vorhang auf für großes Theater im Kleinstformat“.

Es erwarten Sie einige Uraufführung und Premieren, seien Sie gespannt! 

 

Sie sind neugierig geworden? 

Bitte reservieren Sie Ihre Plätze rechtzeitig, da die Plätze sehr begrenzt sind unter [email protected]

 

Wir freuen uns auf ein ereignisreiches Festival und natürlich auf Sie.

 

Noch ein Tipp : Wie auch im richtigen Theater – mit einem Opernglas sieht man besser.

Bühnenporträts

 

PAPIERTHEATER AM RING / SABINE & ARMIN RUF - WILHERMSDORF 

Angefangen hatte alles vor über 12 Jahren, als klassisches Familien-Papiertheater. Sabine und Armin spielten jahrelang gemeinsam mit ihren heute erwachsenen Kindern, jetzt sind sie fast nur noch zu zweit hinter der Bühne. 
Bei den meisten Inszenieren wird live gesprochen, einige Aufführungen sind teilweise oder ganz vertont. Ihr Repertoire reicht von Sagen und Märchen bis hin zu Opern, gerne auch Geschichten aus ihrem Heimatbereich . So zeigten sie 2020 in München „Wagnis Eisenbahn“ und erzählten die abenteuerliche Geschichte der ersten Bahnfahrt in Deutschland 1835.
2022 stellen Sie uns ihre Interpretation von Bizets Carmen, modern und zeitgemäß erzählt, vor Ihre Inszenierung für Kinder mit handkolorierten Figurinen und Kulissen aus der Zeit vor ca. 100 Jahren nimmt sich dem Grimmschen Märchen vom Schneewittchen an und interpretiert es auf ihre Weise fürs Papiertheater.



PAPIERTHEATER HERINGSDORF / ROBERT JÄHRIG  -  HERINGSDORF


 2007 begann Robert Jährig seine Liebe zum Papiertheater zu realisieren, doch zeigte er seine Inszenierungen erst seit 2009 auch vor Publikum. Papiertheater Heringsdorf nannte er sein kleines Theaterchen nach dem Ort des Geschehens. Dort entstand auch eine feste Spielstätte, wo Aufführungen allerdings nur vor geladenem Publikum stattfinden. 
Von Märchen bis zu Opern bietet das Papiertheater Heringsdorf ein breitgefächertes Repertoire an. Originale und Nachdrucke historischer Figuren- und Kulissenbögen bilden die Ausstattung seiner Stücke.
Neben selbst aufgenommenen Tonaufnahmen, kommen auch passende historische Aufnahmen zur Anwendung. Auch von ihm selbst komponierte oder gespielte Musikstücke sind eingebaut. 
Wie für Papiertheater heute meist üblich, reist sein Theater zu den Zuschauern. Seine Reisebühne ermöglicht Gastspiele, auch auf den verschiedenen Papiertheaterfestivals. . 

Auch in diesem Jahr ist es ihm wieder gelungen einen besonderen Schatz der Papiertheatertexte zu finden. Für Jugendliche und Erwachsene zeigt er uns in München die Uraufführung eines ursprünglich dänischen Stücks von 1927 von ihm übersetzt und fürs Papiertheater eingerichtet, eine dramatische Abenteuergeschichte in Indiana Jones Manier - Im Tempel des Todes. 

Mit seiner Inszenierung von Christian Andersens Märchen der „Nachtigall“ entführt Robert Jährig in wunderschönen Bildern Kinder ab 6 Jahren nach China. 

 

THEATER andersARTig / DIETER LOHMANN & MANFRED KRONENBERG  -  WARENDORF 

Dieter Lohmann ein „Alltagspoet“ wie er sich selbst nennt, findet im alltäglichen Leben, in seiner Umwelt, die Themen die er mit Humor und Witz in Gedichtform bringt. Beim Schmökern in seinen Büchern hat man oft das Gefühl Szenen aus dem eigenen Leben zu erkennen, die einem aus dieser Perspektive zum Schmunzeln, gar zum hellen Lachen bringen. 

Manfred Kronenberg ist Diplom-Designer, Illustrator, Künstler und langjähriger Lehrbeauftragter der FH Münster und auch der Gestalter des diesjährigen Erscheinungsbildes unseres Festivals. Er betreibt eine eigenen Galerie in seiner Heimatstadt Warendorf > www.kronenbergkunst.de < und beschickt Ausstellungen im In- und Ausland mit seinen Arbeiten. Malerei, Skulpturen und Objektkunst zeigen die Geschichten, die die Realität und seine Phantasie zu seinem eigenen, unverkennbaren Stil verweben. 

Dieter Lohmann und Manfred Kronenberg fanden sich zusammen in einer Theaterform, die ihre jeweils außerordentlichen Talente zusammenbringt, einem Papiertheater der besonderen Art. 

Dieter Lohmann setzt Gedanken und Ideen in Wörter und Satzbilder um, Ereignisse werden aus neuem Blickwinkel gesehen und voller Witz mit den kunstvollen oft auch karikierenden Bildern Manfred Kronenbergs zu einem Theaterstück verwoben. 

 Für das 6.Münchner Papiertheaterfestival haben sie die großen Dramatiker der Klassik bei einem geheimen Treffen belauscht und dabei die „Wahrheit“ erfahren, wie ihre berühmten Bühnenstücke eigentlich geplant waren  

Für märchenhafter Spaß für Kinder ab 8 Jahren und junggebliebene Erwachsene ist die Geschichte vom „allerletzten Drachen“ nach einem Kinderbuch der englischen Autorin Edit Nesbit. Umgesetzt in ihrer unnachahmlichen Art als Uraufführung und Premiere in München zu sehen. 

 

PAPIERTHEATER INVISIUS / RÜDIGER KOCH  -  BERLIN 


 In einem Alter in dem die meisten Jungen ganz andere Dinge im Kopf haben, verführte 1983 eine Papiertheaterausstellung in Kiel den Teenager Rüdiger sich mit dem Papiertheater zu beschäftigen. Bereits im gleichen Jahr ersann er ein eigenes Stück „Der Gnom“ das er bühnentechnisch mit allem was ihm als theatralisch nötig erschien ausstattete. Noch im selben Jahr folgte auch seine Rumpelstilzchen-Inszenierung die die Zeit überdauerte und auch heute noch eine gefragte Vorstellung ist. 

Bis heute entstanden insgesamt 16 Inszenierungen von Oper über Schauspiel und Literatur. Die Bandbreite seiner Theaterarbeit zeigt sich nicht nur in der Auswahl der Stücke auch die verschiedensten Figurinen und Darstellungsformen unterstützen mit der passenden Musik den Charakter der Geschichten 

So ist stets die Musik, die zumeist eigens dafür komponiert wird, ein wichtiger Bestandteil seiner Inszenierungen. 

Seine Begeisterung für dieses Medium ließ ihn auch zum Sammler werden; insbesondere seine historischen Bühnen werden immer wieder in kleineren kulturhistorischen Museen oder als begleitende Ausstellung von Festivals gezeigt. 

In Hanau ist nicht nur der Sitz des Papiertheatervereins „Forum Papiertheater Hanau“ den Rüdiger Koch seit seiner Gründung in verschiedensten Funktionen unterstützt, sondern auch das größte Papiertheatermuseum Deutschlands das er mit aufbaute. 

Seine Spielleidenschaft lässt ihn jede Möglichkeit nutzen zu spielen, ob in Kindergärten oder Museen in In- und Ausland, auf Festivals oder in Theatern, privat oder öffentlich, je ungewöhnlicher ein Spielort ist umso mehr weckt er sein Interesse. 

Nicht zuletzt muss noch hervorgehoben werden, dass es ein Genuss ist ihm zuzuhören, er spricht alle Vorstellungen live und mit seiner ausdrucksstarken Stimme die zu vielen Modulationen fähig ist, zieht er seine Zuschauer /-Hörer in Bann 

Ein Jubiläum feiert seine Inszenierung „Von den Fischer un siene Frau“ für Erwachsene “ ein Grimmsches Märchen, das er basierend auf der ältesten schriftlichen Überlieferung in einer Inszenierung für Tenorblockflöte, Orgel und Papiertheater in heutigem Plattdeutsch live präsentiert . 

Als „Zugabe“ zeigt er uns seine Bühnenfassung von Schillers Ballade „Der Handschuh“ 

Für Kinder hat er sich eines der bekanntesten Märchen aus Grimms Märchenschatz ausgewählt. „Rotkäppchen“ in einer ganz ursprünglichen Art des Papiertheaters, ohne moderne Technik entführt er uns in die Zeit des Biedermeiers. Sogar die Musik kommt aus einer hundert Jahre alten Spieldose. 



THEATER & PAPIER MARLIS UND RAINER SENNEWALD -  HALLE

 

Eine relativ „junge“ Bühne aus Halle stellt sich vor. Erst seit kurzem führte ihre Leidenschaft fürs Papiertheater Marlis und Rainer Sennewald dazu eigene Stücke auf die Bühne zu bringen, live gesprochen stellen sie uns zwei Inszenierungen vor.

Für Kinder hat Marlis Sennewald ein Stück über kindliche Ängste und deren Überwindung geschrieben und zusammen mit ihrem Mann Rainer Sennewald  illustriert .

Für das Stück das Jugendliche und Erwachsene anspricht war Rainer Sennewald federführend. Nach Motiven aus Geschichte und Geschichten des Bergsteigens entstand das Papiertheaterdrama „Pangu Narathi“ im Sog der Berge.

In München das erste Mal dabei sind wir gespannt eine neue Bühne kennenzulernen.

 

Eine kurze generelle Info zum Papiertheater

 

Papiertheater ist wohl die kleinste Theaterform und entstand zu Zeiten des Biedermeier als das Bildungsbürgertum das Theater nach Hause brachte. Vorläufer waren hauptsächlich die Papierkrippen, die als Platz sparende häusliche Andachtsszenerie schon lange vorher zu finden waren. Als Verwandte können wir die, heute wieder beliebten, "Pop Up-Karten und -Bücher" sehen, sowie die Augsburger Klebebögen die als Spielzeug erzieherische Funktionen erfüllten. Einst wurden für die Kinder Märchen "auf die Bühne gebracht" Mit zunehmender Zeit entwickelte sich diese Theaterform aber zum "Spielzeug" für Erwachsene (im engl. noch heute Toy Theatre) auf oft aufwendige Operninszenierungen war lange Zeit hauptsächlich das Augenmerk gerichtet und berühmte Bühnenbildner der vorigen Jahrhunderte entwarfen für die kleinste Bühnenform die Bühnenausstattung. Das Erstellen und bespielen der kleinen Theater war im Zeitalter ohne Kino, Fernsehen und anderer Kommunikationsmöglichkeiten eine beliebte Abendunterhaltung.

Heute reist eine ständig wachsende Fan-Gemeinde zu den Festivals in In- und Ausland. Hauptsächlich in Dänemark sind  Papiertheateraufführungen ein fester Bestandteil des "Theaterlebens".
Papiertheater ist nun auch wieder bei uns ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, mehrere Festivals, hauptsächlich im Norden Deutschlands zeugen davon. Vor einiger Zeit fand eine Ausstellung im Wiener Theatermuseum im Palais Lobkowitz großes Interesse, Motto „Papiertheater- eine bürgerliche Liebhaberei“ begleitet von mehreren Aufführungen.
Hanau hat im historischen Teil des Museums in Schloss Philippsruhe ein gerade wieder neu eröffnetes festes Museum für die kleinste Theaterform.
Nicht zuletzt wurde das Papiertheater 2021als Immaterielles Kulturgut in die entsprechende Bundesliste aufgenommen. 
Da die Zuschauerzahl je nach Bühne schon im Normalfall sehr begrenzt ist (normalerweise 20 -25 Plätze je nach Bühnengröße) macht es diese Veranstaltungen zu einem hierzulande raren Event. 

 

Ein besonderer Dank geht an Manfred Kronenberg 
der Programm und Plakat auch für das 6.Münchner Papiertheaterfestival gestaltet hat.